Impfstoff-Studien - Übersichtsarbeiten meist von "kritisch niedriger Qualität"

In der evidenzbasierten Medizin EBM gelten Systematische Übersichtsarbeiten (systematic reviews, SR) über die Ergebnisse der zu einem Thema existierenden Studien als eine der höchsten Grade wissenschaftlich-methodischer Qualität. Sie sind in wissenschaftlichen Diskussionen ein oft als entscheidend vorgebrachtes und angenommenes Argument ("aber da gibt es eine Metaanalyse, ...") und häufig auch zentraler Baustein medizinischer Leitlinien.

Gerade beim Thema Impfen scheint die Qualität dieser SRs jedoch oft problematisch: eine Studie unter Federführung des Robert Koch Instituts (Hausherr der STIKO) und unter Mitwirkung der WHO untersuchte 120 dieser SRs zu Impfstoffen und klassifizierte diese nach standardisierten Qualitätskriterien (AMSTAR 2) (Pilic 2026). Berücksichtigt werden dabei Fragen der vorherigen Registrierung eines solchen SRs (schützt vor nachträglicher Umdefinition der Studienziele), der Umgang mit Verzerrungsrisiken der eingeflossenen Studien (bias), Umgang mit Interessenkonflikten und anderem mehr.

Die Qualität von 110 der 120 untersuchten Systematischen Reviews zu Impfthemen waren unter diesen Aspekten "critically low".

Was heißt das nicht:

  • Es sagt nichts über die tatsächliche Evidenz der in den SRs zusammengefassten Impfstoff-Studien - diese kann im Einzelfall sehr hoch oder sehr niedrig oder irgendwo dazwischen sein.

  • Es sagt nichts über die Frage, ob die Schlussfolgerung des jeweiligen SRs richtig oder falsch ist - auch ein methodisch sehr schlechter Review kann zu einem faktisch richtigen, auch ein methodisch gut gemachter zu einem falschen Ergebnis kommen, wobei letzteres sicher eher unwahrscheinlich ist.

Was aber heißt es dann:

  • Es zeigt, dass in der wissenschaftlichen Literatur offenbar wenig Wert auf qualitativ hochwertige Arbeit beim Zusammenstellen der aus Primärstudien vorhandenen Evidenz zu Impfstoffen verwendet wird

  • und dies obwohl diesen SRs in der wissenschaftlichen (und auch öffentlichen) Diskussion oft ein hoher argumentativer Stellenwert eingeräumt wird

  • und diese oft Grundlage öffentlicher Empfehlungen sind.

  • Es zeigt ganz sicher, dass die bloße Tatsache, dass es zu einer impfologischen Fragestellung eine systematische Übersichtsarbeit gibt, noch lange nicht heißt, dass diese auch sauber erarbeitet, methodisch belastbar und daher vertrauenswürdig ist.