In seinem mehr als lesenswerten substack dokumentiert der renommierte Experte für Evidenzbasierte Medizin Peter Gøtzsche einen aktuellen Fall von Wissenschaftszensur aus dem Frühjahr 2026, der eine Studie von 2021 betrifft:
In dieser Studie untersuchte der Wissenschaftsjournalist Neil Miller (Miller 2021) das US-amerikanische Meldesystem für Impfstoff-Nebenwirkungen VAERS auf den zeitlichen Zusammenhang zwischen Impfungen und Todesfällen bei Säuglingen. In dem gewählten 60-Tage-Zeitfenster waren diese Todesfälle keineswegs zufällig verteilt: 58% traten innerhalb der ersten drei, 78% innerhalb der ersten sieben Tage nach einer Impfung auf.
Meldesysteme wie das VAERS exisiteren für genau diese Art von Studien: die Suche nach möglichen Risikosignalen im Zusammenhang mit Impfstoffen. Methodisch bedingt können derartige Arbeiten niemals ursächliche Zusammenhänge beweisen, was Miller - neben anderen Limitierungen der Studie - in der Diskussion einräumt.
Gøtzsche wäre nicht Mitbegründer der Cochrane-Collaboration, wenn er nicht auch an dieser Studie die eine oder andere Schwäche aufdecken könnte, insgesamt attestiert er ihr aber keine gravierenden wissenschaftlichen Mängel.
Dass diese Arbeit 5 Jahre nach ihrem Erscheinen im Frühjahr diesen Jahres plötzlich zurückgezogen wird, führt Gøtzsche auf die massive Intervention einer in dieser Hinsicht wohl notorischen Impf-Euphorikerin zurück, die über öffentliche Medien offenbar einen so großen Druck auf die Herausgeber des Journals aufbaute, dass diese einknickten und die Studie komplett depublizierten - der genaue Ablauf und die zugrunde liegenden E-Mails sind von Gøtzsche dokumentiert und wert, auf seinem substack nachgelesen zu werden.
Peter Gøtzsche rundet seine Darstellung ab durch den Nachweis zahlreicher weiterer Fälle wissenschaftlicher Zensur von Arbeiten z.B. der Arbeitsgruppe von Peter Aaby und Christine Stabell Benn, die in ihren peerreviewten und primär in renommierten Journalen veröffentlichten Arbeiten nicht selten zu Ergebnissen kamen, die sich nicht in den offiziellen unkritisch impfeuphorischen Narrativ einfügten.
Auch seine eigenen Studien zu den Datenmanipulationen im Rahmen der HPV-Impfstoff-Zulassung (die ihn auf abenteuerliche Weise letztendlich den Vorsitz der Nordic Cochrane-Collaboration kosteten, s. hier) waren Gegenstand von Zensur und öffentlicher Desavouierung, die er in seinem Buch zum Thema HPV dokumentiert (Gøtzsche 2025).
Es wird deutlich, dass jenseits der "gewaltsamen Übernahme der Evidenzbasierten Medizin" durch Big Pharma, die John Ioannidis bereits 2016 beklagte (Ioannidis 2016) in den letzten Jahren zunehmend ein weiterer Faktor die wissenschaftliche Forschung zum Thema von Impfungen und Impfprogrammen in ihrer Aussagekraft massiv gefährdet: das retrospektive Depublizieren methodisch eigentlich korrekter Studien, die zu Ergebnissen kommen, die dogmatischen Impfeuphorikern ein Dorn im Auge sind. Niemand hat die Unwissenschaftlichkeit dieses Vorgehens pointierter formuliert als Carl Sagan in seinem Buch Cosmos (Sagan 1980):
„The suppression of uncomfortable ideas may be common in religion and politics,
but it is not the path to knowledge;
it has no place in the endeavor of science."
Gøtzsche P. 2026. https://pgtzsche1.substack.com/p/serious-editorial-misconduct-unwarranted
Gøtzsche P. 2025. How Merck and drug regulators hid serious harms of the HPV vaccines. New York: Skyhorse.
Ioannidis JPA. 2016. https://doi.org/10.1016/j.jclinepi.2016.02.012
Miller NZ. 2021. Vaccines and sudden infant death: An analysis of the VAERS database 1990-2019 and review of the medical literature. Toxicol Rep 2021;8:1324-35.
Sagan C. 1980. Cosmos.